Betrachtungen der Pilgerfahrt
Von Dr. Saleh As-Saleh

 

Auszüge aus dem Buch Hadsch & Tauhid



Es handelt sich um eine Reise, die vor dir schon Propheten und Gesandte angetreten haben. Jene, die den Pfad der Propheten einschlagen, vergrößern die Verinnerlichung der Einheit Allahs (Tauhid) und Seines Hauses (Kaba). Es gibt aber auch jene, die die Pilgerreise unternehmen, deren Herzen jedoch an anderen Dingen anstatt an Allah hängen. Sie rufen die Toten und Rechtschaffenen an, ob sie anwesend oder abwesend sind. Dies ist das Gegenteil des Tauhid (Einzigartigkeit Allahs), wie man es auch nennen mag, es ist Beigesellung (arab. Schirk), weil man neben Allah jemand anderen anruft. Deshalb musst du deine Hingabe ganz Allah widmen. Bereue und begegne Allah mit aufrichtigem Herzen und gib dich Ihm hin, indem du dich an das, was Ibrahim und sein Sohn Ismail gesagt haben, erinnerst:

 

O unser Herr! Mach uns Dir ergeben und aus unserer Nachkommenschaft eine Gemeinde Gottergebener. Und zeige uns unsere Riten und kehre Dich zu uns; denn siehe, Du bist der Vergebende, der Barmherzige. (Der Quran, Sure 2: 128)



Du bist bereit. Vielleicht kehrst du auch niemals zurück nach Hause. Mach diese Reise zu Allahs Haus (Kaba) so, wie Allah es von dir verlangt. Bedenke, dass die Reise diejenige ist, die zu Allah führt, dem Allerhöchsten. Dies wirft Fragen wie folgende auf: Was habe ich für diesen Tag an Vorkehrungen getroffen? Befolge ich Allahs Gebote? Befolge ich die Sunna des Propheten Muhammad sallallahu aleihi we sellem? Kenne ich Allah wirklich? Glaube ich, dass Allah der Herrscher über die Sieben Himmeln ist, der auf Seinem Thron sitzt wie Er in Seinem Buch sagt und was die Gesandten bestätigen? Bin ich ein Gläubiger, der glaubt, dass das Angesicht Allahs zu Seiner Majestät passt wie Er im edlen Quran bekräftigt und wie es Muhammad sallallahu aleihi we sellem bestätigt? Glaube ich an alle Namen Allahs, an die Attribute der Vollkommenheit und die Handlungen, die Er sich in Seinem Buche zuschreibt und die Seine Gesandten bestätigen? Oder nehme ich einfach an und akzeptiere ich meinen Zweifel und lehne ab oder verdrehe (durch bildliche Auslegungen Seiner Attribute) die Bedeutungen der Attribute und Handlungen?

 

So rufe keinen anderen Gott neben Allah an. Es gibt keinen Gott außer Ihm. (Der Quran, Sure 28:88)



Wisse, möge Allah dir gnädig sein, dass wenn die Zeit gekommen ist, alles vorüber ist. Es ist der Tag der Auferstehung:

 

Sprich: Jawohl, sowohl die Früheren wie die Späteren werden an einem bestimmten Tag versammelt. (Der Quran, Sure 56:49-50)

 

Wenn du mit der Talbiyah beginnst, gedenke des Befehls, den Allah dem Propheten Ibrahim gab:



Und rufe die Menschen zur Pilgerfahrt. Lass sie zu dir kommen zu Fuß und auf allen möglichen flinken Reittieren, aus den fernsten Gegenden. (Der Quran, Sure 22:27)



Die Talbiyah, die du von dir gibst, ist die Erfüllung des Aufrufs des Propheten Ibrahim, Allahs Haus (Kaba) zu besuchen. Allah ist der Größte.

 


Du bist beim Eintritt in Mekka auf sicherem Boden:



Aber haben Wir ihnen nicht einen sicheren Bezirk gegeben, zu dem Früchte aller Art gebracht werden als eine Versorgung von Uns? Jedoch die meisten von ihnen wissen es nicht. (Der Quran, Sure 28:57)



Denke Gutes von Allah, bereue und hoffe, dass Allah dich vor Seiner Strafe bewahrt.

 

Du wirst durch eines der Tore des al-Masjid al-Haram gehen. Dann stehst du vor dem großartigen Hause Allahs, der Kaba, dem Allerhöchsten. Nun hast du vor Augen, was du lange zu sehen erhofftest. Danke Allah dafür, dass Er dir dies ermöglicht und hoffe, dass Er, der Mächtige und Majestätische, dir den größten Lohn gewähren wird, nämlich Sein majestätisches Antlitz zu sehen am Tag der Auferstehung. Diese Dankbarkeit zeigt sich nicht nur durch „alhamdulillah“ (Alles Lob gebührt Allah), sondern auch dadurch, dass man Allah während er Pilgerreise und für den Rest seines Lebens folgt.
 


Du beginnst mit der Umkreisung der Kaba (arab. Tawaf), wissend, dass dies die große Zeit ist, Allah zu erhöhen, den Allerhöchsten. Gedenke Seiner Namen, Seiner Eigenschaften, Seiner Handlungen. Während Deiner Umkreisung, gedenke des Propheten Ibrahim, der von dem abgehalten wurde, was du tun darfst. Dann erinnere dich daran, was er tat. Er zerstörte die falschen Gottheiten, die neben Allah angebetet wurden! Alle Ikonen wurden zerschlagen. Beschäftige dich mit Bittgebeten (arab. Dua). Bitte Allah, den Allergrößten darum, dass Er Dich weiterhin recht leitet und dass du so aus dem Leben scheidest. Bitte Allah darum, dass Er dich von jeder Art der Beigesellung (arab. Schirk) und Neuerung in der Religion (arab. Bida) fernhält.



Während du zwischen den Bergen Safa und Marwa umherwanderst (arab. Sa´i), gedenke Hadschars, der Mutter Ismails, als sie ihren Gatten Ibrahim (Friede sein mit ihm) fragte:

 

„Hat Allah dir geboten, dies zu tun (sie und das Kind in Mekka zurück zu lassen)“?

 

Er erwiderte: „Jawohl“. Ihre großartige Antwort war:

 

„Dann wird Allah uns nicht im Stich lassen.“

 

Denk über dieses große Gottvertrauen nach, wenn du beim Umherlaufen zwischen den Bergen Safa und Marwa, den gleichen Weg gehst, den Hadschar ging, die zwischen den Bergen umherwanderte auf der Suche nach Wasser für Ismail. Gedenke ihrer Geduld, Beharrlichkeit und ihres Vertrauens in Allah. Das Umherwandern (arab. Sa´i) ist beispielhaft für den starken Glauben daran, dass wir Des Einen bedürfen, Der gibt und nimmt, Allahs, des Allerhöchsten. Denk an Ibrahims Bittgebet, das er auf seinem Heimweg nach Palästina sprach:

 

O unser Herr, Siehe, ich habe einen Teil meiner Nachkommenschaft in einem unfruchtbaren Tal bei Deinem unverletzlichen Hause angesiedelt. O unser Herr! Mögen sie das Gebet verrichten! Und erfülle die Herzen der Menschen mit Liebe zu ihnen und versorge sie mit Früchten, damit sie Dir dankbar sein mögen.  (Der Quran, Sure 14:37)



Menschen und Früchte kommen aus vielen Orten nach Mekka. Ibrahim (Friede sei mit ihm) kehrte später zurück, um mit seinem Sohn Ismail die große Aufgabe, die Grundsteine für die Kaaba zu legen, zu bewältigen.



Das Verweilen auf dem Berg Arafat gehört zur Pilgerreise. Die Menschenmassen sollen sich an den Tag der Auferstehung erinnern. Gib dich Allah völlig hin, festige deinen Gottesdienst zu Ihm allein durch Bittgebete, mit der ehrlichen Absicht und dem felsenfesten Entschluss, dich von allen vergangenen Sünden zu befreien und bemühe dich, Gutes zu tun. Bemühe dich, ein besserer Mensch zu werden, wenn du zurückkehrst. Befreie dich von falschem Stolz und Prahlerei, denn diese Dinge ruinieren womöglich das, was du an jenem Tag erlangt hast.

 

Nun hast du die Kieselsteine gesammelt und machst Anstalten, die Jamarat-Stellen zu bewerfen. Dies ist ein Akt des Gehorsams und des Gedenkens an Allah, dem Allerhöchsten. Der Prophet sallallahu aleihi we sellem sagte:

 

Wenn ihr die kleinen Kieselsteine auf die Jamarat-Stellen werft, wird euch am Tag der Auferstehung ein Licht zuteil.
[Überliefert von At-Bazzar, in: Zawa'id (p.113) mit Erlaubnis von Ibn Abbas. Dieser Hadith wurde überliefert von Sheikh Al-Albani (möge Allah ihm gnädig sein) in Silsilat al-Ahadith as-Sahihah. V. 6 Hadith 2515.]



Wenn ihr ein Opfer bringt, vergesst nicht die Worte Allahs:

 

 Es ist weder das Fleisch noch ihr Blut, das Allah erreicht, es ist eure Hingabe, die Ihn erreicht.
(Der Quran, Sure 22:23)

 

Wenn du die Pilgerreise ausgeführt hast, glaube nicht, dass das Gedenken Allahs endet. Höre Allahs Worte:

 

Und wenn ihr eure Riten beendet habt, dann gedenkt Allahs wie ihr eurer Väter gedenkt oder mit noch innigerem Gedenken. (Der Quran, Sure 2:200)



Anmerkung: Wenn du nach Medina gehst, sollte dein Besuch gemäß der Sunna und keine Erneuerung in der Religion (Bida) sein. Dein Ziel ist es eine Reise zu machen, um die Moschee des Propheten und nicht sein Grab zu besuchen. Wenn du dich der Moschee näherst um zu beten kommst du vielleicht an dem Grab vorbei und sagst:

 

Friede sei mit dir, o Prophet.

 

Die Meinung der Gelehrten bezüglich der Gräberbesuche seitens der Frauen kann wie folgt zusammengefasst werden:

 

Nicht gern gesehen, aber nicht verboten

 

Erlaubt, wenn nicht häufig gemacht. Wenn eine Frau dafür bekannt ist, dass sie nicht genau weiß, wie man sich gemäß der Scharia bei den Gräberbesuchen verhalten muss, sollte sie den Besuch dieser unterlassen.

 

Eine schwerwiegende Sünde

 

Viele Gelehrte sagen, dass Frauen, die die Moschee des Propheten besuchen, den Segensgruß für den Propheten sallallahu aleihi we sellem fern seines Grabes sprechen könnten, da dies aus vielen Überlieferungen hervorgeht, dass der Segensgruß sich, egal wo die Person sich befindet, auf den Propheten bezieht. Der Prophet befindet sich an einem Ort und in einer Zeit zwischen dem Tod und dem Trompetenstoß des Engels Israfil, der die Auferweckung und Auferstehung einleitet (arab. Barzach). Allah allein, der Allerhöchste,  kennt dessen Wesen. [Ash-Sharh-ul-Mumti' V5. S. 475 -478]

 

Der gleiche Segensgruß wird erwähnt, wenn man an den Gräbern Abu Bakrs und Omars vorbeigeht, ohne Neuerungen wie:

 

Das Grab des Propheten sallallahu aleihi we sellem zu besuchen bevor man in der Moschee gebetet hat.

 

Bittgebete am Grab zu sprechen

 

Allahs Nähe zu suchen mittels des Propheten sallallahu aleihi we sellem. Dies stellt eine verbotene Form von Ergebung (arab. Tawwassul, d.h. eine Methode Allah näher zu kommen) dar.

 

Vom Propheten sallallahu aleihi we sellem Fürbitte erhoffen.

 

Die Hände auf die Gitter des Grabes legen und Segen von ihm zu erhoffen etc.

 

(Weitere Einzelheiten aus Al-Albanis Werk Manasik al-Hajj wal 'Umrah entnehmen)

 

Gedenke der Aussagen des Propheten sallallahu aleihi we sellem:

 

Macht keine Gebetsstätte aus meinem Grab! [Abu Dawud, Ahmed]

 

Möge Allahs Fluch auf den Juden und Christen dafür lasten, dass sie die Gräber ihrer Gesandten zu Gebetsstätten machten. [Al-Buchari, Muslim, Abu Dawud, At-Tirmidhi, An-Nasa'i, Ibn Madschah]

 

Jene vor euch machten die Gräber ihrer Propheten zu Gebetsstätten. Macht die Gräber nicht zu Gebetsstätten, fürwahr dies verbiete ich euch zu tun. [Muslim]

 

Der Sinn dieser Reise ist nicht, finanzielle Errungenschaften zu erzielen. Es ist ein selbstloser Dienst  nur um Allahs Willen, des Allergrößten. Sie erfordert wahre Liebe zu Allah und Gottesfurcht. Sie sollte mit vollem Herzen gemacht werden, voller Demut und Hingabe zu Allah. Man sollte sie nicht für eine Exkursion touristischer Art halten oder für bloße physikalische Riten. Die Reise entwickelt Ehrlichkeit, Frömmigkeit, Demut, Selbstkontrolle, Opferbereitschaft und die wahre Bedeutung von Hingabe und Gehorsamkeit gegenüber Allah, dem Allerhöchsten. Sie hilft dem Pilgerfahrer ein besserer Mensch zu werden, der sich Allah in jeder Lebenssituation hingibt.